Häfen

von der Römischen Kaiserzeit bis zum Mittelalter

Der frühmittelalterliche Hafen Kölns

Funde von Glasprodukten aus einem aufgegebenen Hypokaustum in der Nordostecke des Heumarkts
Vorläufige Kartierung der Glaswerkstätten am Kölner Hafen
Der karolingischer Glashafen unter Groß St. Martin

– Produktionsstätte und Exporthafen für Gläser

Der Hafen Kölns trug wesentlich zur Entwicklung Kölns zwischen Spätantike und hohem Mittelalter zu einer der bedeutendsten Städte Europas bei. Zwischen ehemaliger römischer Stadtmauer und dem Hafen entstand eine frühmittelalterliche Händler- und Handwerkersiedlung mit Glas- und Metallherstellung, die ihre Produkte über den Hafen verhandelte. Dichte merowingische und karolingische Fundstellen dieser Siedlung konnten zwischen 1996 und 2012 unter der Federführung des Römisch-Germanischen Museums bei mehreren Großgrabungen entlang des Rheinufers festgestellt werden. Glas- zusammen mit Metall- und Keramikprodukten aus diesen Handwerksbetrieben wurden in merowingischer Zeit über den Rhein-Hafen nach Krefeld-Gellep, Duisburg u.a. verhandelt, in karolingischer Zeit nach Dorestad und Haithabu, deren Häfen in Folge der Intensivierung der Beziehungen Nordeuropas zum Karolingerreich an Bedeutung gewannen.  

Projektteam

Dr. Michael Dodt
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie
Regina-Pacis-Weg 7
Tel: 0173/8040925
Mail: mdodtnoSpam@uni-bonn.de

Wiss. Hilfskraft:

Kevin Otten
August-Kekule-Str. 1
51373 Leverkusen
Tel. 01577/6442904
Mail: kottennoSpam@uni-bonn.de.

Kooperationspartner:

Dr. Andreas Kronz
Geowissenschaftliches Zentrum der Universität Göttingen
Goldschmidt-Str. 1
37077 Göttingen
0551/39-9336 o. -33975
Mail: akronznoSpam@gwdg.de

 

Zwischenstand der Forschung

Die Ausgrabungen auf dem Heumarkt von Köln vor 20 Jahren (1996-1998) veränderte quasi mit einem Schlag unsere Kenntnis des frühen Mittelalters in Köln und von frühmittelalterlichen Glaswerkstätten insgesamt. Unter einer Versiegelung durch die erste Marktschicht von 957 hatten sich Spuren einer merowingischen und karolingischen Handwerkersiedlung, neben der es auch Tierhaltung gab, erhalten. Einer der wichtigsten Handwerkszweige waren Glaswerkstätten, die sich bereits in frühfränkischer Zeit nachweisen lassen. Der Übergang von der spätrömischen zur fränkischen Zeit bilden zwei Grubenhäuser der 1. Hälfte des 5. Jahrhunderts n.Chr., in denen auch Hohlglasfragmente gefunden wurde, das aber noch stark in römischer Tradition, aber nicht mit Produktionsresten in Zusammenhang steht. Die deutlichsten Hinweise auf die Werkstätten bilden Ofenreste, Glasschmelzgefäße aus Keramik (Häfen) und Roh- oder Bruchglas, das eingeschmolzen werden sollte, in Grubenhäusern ab der 2. Hälfte des 5. Jahrhunderts n. Chr. Sämtliche Glashäfen weisen Reste von hell- oder blaugrünem, transparentem Glas auf. Von besonderem Interesse sind die Glasprodukte, von denen eine größere Anzahl zusammen mit Rohglas- oder Schmelzresten in einem aufgegebenen römischen Hypokaustum gefunden wurde (Bild 1). Eindeutig sind die Indizien für die Herstellung von wirtelförmigen grün-transparente Glasperlen mit Bogen- oder Wirbelmuster am Kölner Hafen. Weitere Produkten waren Glasschalen mit opak-weißen eingeschmolzenen, feinen Fäden oder Federmustermuster unter oder auf dem Rand, Spitzbecher mit gleichfarbigem aufgelegten Spiralfäden, unter denen diejenigen, die zusätzlich mit vertikalen Schleifen (Typ Kempston) verziert sind, herausragen. Diese Gefäße waren aus fast klarem Glas geformt, aus dem auch die Rohglasstücke bestehen, und gehören in die 2. Hälfte des 5. bis 1. Hälfte des 6. Jahrhunderts n. Chr. Die kräftiger blau-transluziden und blaugrünen-transparenten Hohlglasfragmente in diesem Fundkomplex sind römisch und waren hier wohl gesammelt worden, um sie wieder einzuschmelzen. Opak-blaue und -türkisgrüne Produkte aus Glas sind kleine, scheibenförmige Perlen, die aus Glastesserae (Mosaiksteinchen) von gleicher Farbe und Volumen hergestellt wurden. Neben diesen Produkten kommen in den Siedlungsschichten und –Gruben am Heumarkt immer wieder Reste von Flachglas vor, die wie auch die fränkischen Hohlgläser generell dünn sind, so dass eine Verwendung als Fensterscheiben fraglich ist.

Fragmente von Sturzbechern und Tummlern der späteren Merowingerzeit in größerer Zahl sowie Spuren von karolingischen Glaswerkstätten am Heumarkt deuten auf die Kontinuität der Glaswerkstätten. Die karolingischen Produkte sind jedoch spärlicher: es gibt Glockenbecher und Spitzbecher, die sich ebenso gut an den Rand- wie an den Bodenstücken identifizieren lassen, sowie wenige Reste von Gefäßen mit Reticella-Verzierung. Als Glasschmelzgefäße dienten in karolingischer Zeit Schüsseln mit linsenförmigen Böden. Die große Menge der Glashäfen bilden aber merowingerzeitliche Wölbwandtöpfe, die auch in karolingischen Zusammenhängen vorkommen, vor allem in den jüngsten Ausgrabungen an der U-Bahn, die im zugeschütteten römischen Nebenarm des Rheins liegen, der erst in karolingischer Zeit besiedelt werden konnte. Ein frühkarolingischer Ofen wurde innerhalb der Stadtmauer gefunden. Die vorläufige Kartierung zeigt chronologische und topographische Konzentrationen, die durch die Ausgrabungsflächen bedingt sind (Bild 2). Es zeichnet sich eine zeitliche Verschiebung der Werkstätten von Süden nach Norden ab.

Während man nach den deutlichen Spuren der Glaswerkstätten bei der Ausgrabung am Heumarkt ca. 15 Jahre später bei den U-Bahn-Grabungen (nördlicher Bereich des Alter Marktes und Kurt-Hackenberg-Platz) diese nun deuten und finden konnte, gab es bei älteren Ausgrabungen keine entsprechende Erwähnung in einem Bericht. Erst bei gezielter Suche nach Glashäfen konnten nun auch bei den Ausgrabungen an Groß St. Martin 1974-1976 ausgeprägte frühmittelalterliche Glaswerkstätten erkannt werden. Der besterhaltene karolingische Glashafen stammt von hier (Bild 3).

Die naturwissenschaftliche Analyse (Elektronen-Mikrosonde) soll die Haupt- und Spurenelemente des Glases der Kölner Produktion ermitteln und an den Orten, an die das Glas über den Hafen exportiert wurde, wiedererkennen, was durch Formtypologie nicht eindeutig möglich ist; allein angelsächsische Produkte lassen sich auf typologische Weise einigermaßen abgrenzen. Die Kontakte zu anderen Hafenprojekten an Nordsee, Ostsee und Binnenhäfen, die die gleiche Zeit behandeln, sind hier hilfreich. Eine weitere Exportroute wird entlang des Hellwegs untersucht. An den einzelnen Orten mit Glasvorkommen in diesen Regionen, die über keine eigene Hohlglasherstellung verfügten, wird in der Regel eine Herkunft der Gläser aus dem Rhein-Maas-Gebiet vermutet.

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