Häfen

von der Römischen Kaiserzeit bis zum Mittelalter

Laufende Forschungen

Nach Voruntersuchungen in den Jahren 2010 und 2011 fand die erste Feldkampagne im Sommer 2012 statt. Sie diente überwiegend der Schaffung von Grundlagen für weitere Arbeiten. So wurde damit begonnen, ein einheitliches Vermessungsnetz als Referenzsystem anzulegen und Befunde einzumessen. Außerdem fanden Geophysikalische Untersuchungen durch die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG Wien) und dem Institut für Geowissenschaften der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel statt. Im Bereich der Geoarchäologie konnten insgesamt 8 Bohrprofile gewonnen werden. 


Erste umfangreichere Geländearbeiten vor Ort fanden während der Kampagne 2013 statt.

Kernaufgaben der Kampagne 2013:

  • Erweiterung und Ausbau des einheitlichen Festpunktfeldes als räumliche Referenz für die Arbeiten aller beteiligten Arbeitsgruppen
  • Vermessungsarbeiten zur Erstellung eines digitalen Geländemodells und Einmessung von archäologischen Befunden für die Erstellung von Übersichts- und Detailplänen
  • Aufbau eines Geoinformationssystems (GIS) zur Verwaltung und Analyse der raumbezogenen Daten
  • Geoarchäologische Untersuchungen
  • Aufnahme und Dokumentation römischer Keramik
  • Bauhistorische Untersuchung der mit einer potentiellen Hafenanlage in Verbindung stehenden Monumente
  • Geophysikalische Forschungen an Land und im Wasser

 

Erfassung der Geländedaten mittels geodätischem GPS auf dem Autodach. Foto: RGZM
Erfassung von Geländedaten mittels geodätischem GPS zu Fuß. Foto: RGZM
Vermessungsarbeiten an einem Mauerabschnitt. Foto: RGZM

Vermessungsarbeiten

Das 2012 eingerichtet Referenzpunktfeld wurde bei Bedarf lokal verdichtet, sodass aktuell 57 vermarkte Festpunkte für das Arbeitsgebiet vorliegen. Diese Punkte werden von allen Arbeitsgruppen zur Einmessung ihrer raumbezogenen Daten im einheitlichen Bezugssystem in Lage und Höhe verwendet und ermöglicht die Verknüpfung und gemeinsame Auswertung und Analyse sowie die Erstellung von Karten und Plänen.

Um sämtliche Befunde auch in Beziehung zur aktuellen Topographie stellen zu können, wurden 2013 weitere Arbeiten zur Erstellung eines Geländemodells und zur Aufnahme z.B. von Straßenverläufen durchgeführt. Dies erfolgte mittels geodätischem GPS. Dabei wurde der Empfänger entweder auf ein Autodach montiert, oder bei nicht befahrbarem Gelände auf einen Rucksack aufgeschraubt. So konnten Daten auch für größere Gebiete effizient erfasst werden.

Alle bislang während der Projektarbeiten angefallenen Daten mit Raumbezug werden in einem Geoinformationssystem (GIS) verwaltet. In diesem GIS können sämtliche Vektordaten (Punkte, Linien, Flächen), Rasterdaten (z.B. Satellitenbilder, Abbildungen geophysikalischer Prospektionen, Grabungspläne) sowie weitere Strukturen wie z.B. digitale Geländemodelle gemeinsam verwaltet und analysiert werden. Das System bildet so auch die Grundlage für die Erstellung von Karten und verschiedene Abbildungen. Es stellt ein wichtiges Werkzeug für die zukünftige interdisziplinäre Auswertung der Daten dar.

 

Satellitenbild mit Markierung aller bisher durchgeführten Bohrungen.
Durchführung der Rammkernsondierung AIN 17 durch H. Brückner, S. Merkel und D. Brill.
Beprobung einer ca. 1m tiefen Grube auf der Nehrung für die OSL-Datierung mittels lichtdichter Plastikinliner durch D. Brill.

Geoarchäologie

Die geoarchäologischen Untersuchungen vor Ort erfolgten im Zeitraum vom 06. September bis 28. September und hatten die Erweiterung und Vertiefung des paläogeographischen und geoarchäologischen Forschungsstandes zur holozänen Entwicklung der Landschaft im Umfeld der antiken Stadt Ainos zum Ziel. Insgesamt konnten während der Kampagne 2013 16 Bohrkerne gewonnen und 5 Aufschlüsse beprobt werden. Mit Hilfe der genommenen Proben sollen Fragen zur Altersbestimmung der Nehrung, Entstehung der Daylan Gölü sowie die Möglichkeit einer Insellage der Stadt geklärt werden. Außerdem wurden ergänzend zu den Geophysikalischen Untersuchungen im nördlichen Bereich der Taşlık Gölü Bohrungen durchgeführt. Ein besonderer Schwerpunkt war die Mircofaunistische Beprobung zahlreicher Geoarchive im Umland von Ainos, um die daraus gewonnenen Erkenntnisse mit denen der Bohrungen zu verknüpfen.


Aufnahme und Dokumentation römischer Keramik

Durch die Arbeiten zur Dokumentation und Auswertung von Keramik sollen Erkenntnisse für die Bedeutung des Fernhandels für Ainos in römischer und byzantinischer Zeit gewonnen werden. Als Materialbasis dienten die in den letzten Jahrzehnten bei den Ausgrabungen in Ainos geborgen und in den Depots des Grabungshauses gelagerten Bestände. Vorrangiges Ziel ist die möglichst lückenlose Erfassung römischer Feinkeramik.

Zunächst wurden alle Funde im Depot gesichtet und relevantes Material, insbesondere Sigillata, aussortiert. Zur Dokumentation des Materials wurde eine Datenbank konzipiert. Diese erhält Einträge zu den Maßen, zur Farbbestimmung von Ton und Überzug sowie zur typologischen Bestimmung und Datierung. Auf diese detaillierte Weise konnten im Rahmen der Kampagne insgesamt 183 Gefäßindividuen in die Datenbank eingegeben werden. Darüber hinaus wurden noch weitere 196 Gefäßindividuen gezeichnet.

 

Bauaufnahme eines Mauerabschnitts. Foto: RGZM

Bauaufnahme

Wassernahe Monumente, die mit einer potenziellen Hafenanlage (sog. Binnenhafen) in Verbindung stehen könnten, wurden einer bauhistorischen Untersuchung unterzogen. Die für diese Fragestellung relevanten Objekte sind in der Nähe der Zitadelle von Ainos zu lokalisieren. Dabei handelt es sich um eine Mauer mit fünf Türmen und zwei heute jeweils allein stehenden Türmen unterschiedlicher Dimension. Auf den ersten Blick sind diese Monumente als Wehrbauten zu verstehen. Ob noch andere Funktionen in Frage kommen, kann hoffentlich im Laufe weiterer Forschungen geklärt werden.

Die Kampagne 2013 widmete sich ausschließlich der südlichen Abschnittsbefestigung mit den fünf Türmen. Diese verläuft von der Zitadelle in Richtung zur großen Lagune (Dalyan Gölü). Einige Bereiche sind noch relativ hoch erhalten und es stand kein Gerüst für die Aufnahme zur Verfügung. Daher und um die Bauaufnahme zu vereinfachen und zu beschleunigen, erfolgte die Aufnahme unter Anwendung eines bildgestützten Konzepts zur geometrischen Dokumentation.

Aus ungeordnet aufgenommenen Fotos konnten mittels SfM-Verfahren (Structure from motion) 3D-Punktwolken berechnet und über Passpunkte im einheitlichen Bezugssystem georeferenziert werden. Unter Verwendung von spezieller Software (VisualSFM, MeshLab, Quantum GIS) wurde aus den 3D-Punktewolken eine verzerrungsfreie und maßstäbliche Darstellung der Mauerabschnitte (Orthobild) generiert. Maßstäblich ausgedruckt dienten die Bilder als Zeichengrundlage für die Bauaufnahme am Objekt. Mit dieser Methode konnte die Mauer mit den fünf Türmen nahezu komplett sowie einer der einzeln stehenden Türme photogrammetrisch aufgenommen werden. Zusätzlich konnte der gesamte südliche Bereich der Mauer mit den dazugehörigen Ansichten der Türme zeichnerisch dokumentiert werden.

 

Geophysik

Die geophysikalische Prospektion in Ainos fand vom 15. August bis 05. September statt. In erster Linie wurden Stellen mit potenziellen Hafenanlagen sowie die Küstengeologie untersucht. Damit das Siedlungsgebiet des antiken Ainos besser abgegrenzt werden kann, wurden außerdem Bereiche, die Aufschluss über die Lage der Stadtmauer sowie eventuelle Verbindungen zwischen den Türmen überprüft.

Zur großflächigen Prospektion wurden hauptsächlich geomagnetische Messungen an Land und auf dem Wasser durchgeführt. Zum besseren Verständnis von mit der Magnetik gemessenen Strukturen wurden dann gezielt weitere Methoden (Seismik, Radar und Elektrik) eingesetzt, da diese im Gegensatz zur Magnetik auch eine Tiefenauflösung bieten. Ein generelles Problem in Ainos sind dabei die sehr niedrigen elektrischen Widerstände des Bodens vor allem im Uferbereich der Lagunen, die die Eindringtiefe des Radars erheblich reduzieren. Auf etwas höher gelegenen Arealen funktionierte die Eindringung des Radars etwas besser, lag jedoch weiterhin bei nur einigen Zentimetern. Auch die Aussagetiefe der Elektrik wird durch die niedrigen Widerstände stark reduziert.
(http://www.spp-haefen.de/de/die-projekte/geophysikalisches-zentralprojekt/laufende-arbeiten/)

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