Häfen

von der Römischen Kaiserzeit bis zum Mittelalter

Laufende Arbeiten im Projekt

Aktuelle Geländearbeiten

April 2015     Geophysik im Flachwasserbereich, Seismik und Magnetik in Groß Strömkendorf mit den Kollegen des geophysikalischen Zentralprojektes Kiel

Mai 2015      Flachwasserseismik in Puck mit den Kollegen des geophysikalischen Zentralprojektes Kiel; Sondage-Grabungen in Bardy

 

Geländearbeiten 2014

Bardy

Einen Forschungsschwerpunkt im östlichen Teil des Untersuchungsgebietes bildet der nur etwa 15 km südöstlich von Kolberg am westlichen Ufer der Parsęta gelegene frühmittelalterliche Siedlungskomplex von Bardy/Świelubie, der in enger Kooperation mit dem Nationalmuseum Szczecin (Dr. Anna Kowalska) untersucht wird. Der Komplex besteht im Kern aus zwei zeitlich aufeinanderfolgenden Burganlagen Bardy (8./9. Jh.) und Świelubie (9./10 Jh.) mit zugehörigen Vorburgsiedlungen und eine etwa 100 Hügelgräber umfassende Nekropole. Die maritime Anbindung und Bedeutung des Platzes wird durch den Nachweis von Gräbern skandinavischer Siedler eindeutig bezeugt. Die Lage ihrer Siedlung ist jedoch noch genauso unbekannt wie die Position des zu vermutenden Hafens.

Geomagnetische Prospektionen erfolgten in Bardy/Świelubie auf einer Gesamtfläche von 8,5 ha. Dabei wurden alle zugänglichen Areale im Umfeld der beiden bekannten Burgwälle prospektiert. Gemeinsam mit 56 Bohrungen erbrachten sie zahlreiche neue Erkenntnisse zur Landschafts- und Siedlungsgeschichte des Flusstales, in dem mehrere heute verlandete Flussverläufe kartiert wurden. Ein nördlich des Burgwalles Świelubie erfasster Altarm konnte durch Reflexionsseismik und Bohrungen untersucht und für die 14C-Datierung beprobt werden. Nach Ausweis der Radiokarbondatierung bestätigte sich die Annahme, dass der Burgwall auf einer Flussinsel lag und seit etwa 850 n. Chr. genutzt wurde; der Flussarm verlandete um 1000 n. Chr. so dass der Burgwall seine natürliche Schutzlage verlor.

Die Untersuchungen auf dem Siedlungskomplex von Bardy/Świelubie erlauben eine erste Rekonstruktion der Landschafts- und Siedlungsgeschichte des Untersuchungsraums. Insbesondere der Nachweis eines im Laufe des 10. Jahrhunderts verlandeten Parsęta-Arms nördlich des Niederungsburgwalls Świelubie ist für die Lokalisierung eines mutmaßlichen Hafenareals von größter Bedeutung, da dort von weitgehend ungestörten Ablagerungs- und Befundkontexten im ansonsten äußerst dynamischen Flusstal ausgegangen werden kann.

Groß-Strömkendorf

Der Fundplatz Groß Strömkendorf wurde in den 1990er Jahren großflächig untersucht. Die Grundlage für die Lokalisierung eines Hafenstandortes bilden die Ergebnisse dieser großflächigen Ausgrabungen unter Leitung des Antragstellers H. Jöns sowie erste Landschaftsrekonstruktionen von N. Rühberg (Geologisches Landesamt Mecklenburg-Vorpommern). Zudem führten luftbildarchäologische und geophysikalische Messungen zum Nachweis einer ca. 80 m vor der heutigen Küste verlaufenden, weitgehend verfüllten Rinne, die während des frühen Mittelalters beste Voraussetzungen zur Nutzung als „Naturhafen“ geboten haben dürfte. Ob dieser ausschließlich als Landeplatz genutzt wurde oder künstliche Landebuchten, Plattformen oder gar Landestege existierten, ist bislang noch unbekannt und soll im Rahmen des Projektes geklärt werden.

Eine Überprüfung der natürlichen, etwa 80 m vor der heutigen Küste verlaufenden Rinne erfolgte bislang schwerpunktmäßig mit geophysikalischen Methoden. Es kamen Unterwasser-Magnetik sowie Boomer-Seismik zum Einsatz. Im landnahen Bereich erfolgten erste manuelle Bohrsondierungen zur Validierung der Magnetikanomalien. Die Auswertung der Seismikprofile steht noch aus, allerdings zeigt der Magnetikbefund deutliche Anomalien vor dem heutigen Uferbereich, die nach ersten Bohrungen durch eine heute inaktive Kliffkante verursacht werden. Weitere punktförmige Anomalien bedecken ein größeres Areal in Richtung der angenommenen Hafenbucht; diese sind bislang noch nicht abgeklärt. Ebenso bleibt die Ausdehnung und das Alter eines fossilen Bodenhorizontes, der sich weiter nach Westen erstreckt, ein Feld für weitere Untersuchungen.

Die bislang durchgeführten, vornehmlich geophysikalischen Untersuchungen in Zusammenarbeit mit dem Zentralprojekt Geophysik erbrachten neue Hinweise auf die Lage und Topographie des frühmittelalterlichen Hafens. Ob mit der im Magnetikbefund erfassten und durch die Bohrungen verifizierten Kliffkante der frühslawische Uferbereich und somit der mutmaßliche Übergang in den Hafen lokalisiert werden konnte, soll durch weitere Untersuchungen ermittelt werden.

 

Usedom

Die bislang durchgeführten Untersuchungen in Usedom erlauben erste vorläufige Aussagen zur Lokalisierung eines mutmaßlichen Hafenareals. Neben dem Nachweis eines Strandareals sowohl westlich des Bauhofes am Jürgensee als auch östlich am Usedomer See konnte gleichzeitig eine Nutzung des Strandes in mittelslawischer bis spätslawischer Zeit nachgewiesen werden. Für die spätslawische Zeit kann für den untersuchten Bereich am Übergang der Niederung in den Jürgensee nordwestlich des Bauhofes die Nutzung als Hafenareal weitgehend ausgeschlossen werden, worauf Abfallschichten sowie eine Uferbefestigung entlang des Plateaufußes hinweisen. Der Hafen dürfte in dieser Zeit an anderer Stelle zu suchen sein; bei den in den Bohrungen flächig erfassten Holzbefunden im Usedomer See könnte es sich um Überreste entsprechender Anlagen handeln; sie sollen deshalb im Mittelpunkt der weiteren Forschungen stehen.

Der bei den geologischen Untersuchungen gelungene Nachweis von Kulturschichten sowie Holzlagen und die damit verbundene anzunehmende Nutzung des Uferareals im Vorfeld des Bauhofes führten im August 2014 zu archäologischen Sondagegrabungen im Bereich des Zuflusses der Niederung in den Jürgensee. Insgesamt vier Schnitte (Gesamtgröße 26 m2) wurden angelegt, um die Ergebnisse der Bohrungen zu verifizieren und weitere Erkenntnisse zur Nutzung des Geländes zu gewinnen. Die Grabungen konnten die Ergebnisse der Bohrkernuntersuchungen bestätigen und weitere Informationen zur Siedlungs- und Baugeschichte des Bauhofes erbringen. Von Bedeutung ist der Nachweis einer ehemaligen offenen Strandsituation bzw. eines Flachwasserbereiches im Vorfeld der Siedlung, der mutmaßlich in die Nutzung des Siedlungskomplexes einbezogen war. Darauf weisen einzelne in den Strandboden eingebrachte und durch jüngere Schichten überlagerte Pfosten hin. Auch wenn die Funktion der Pfosten beim gegenwärtigen Umfang der Grabungen nicht eindeutig bestimmt werden kann, belegen sie menschliche Aktivitäten am Übergang des Handelsplatzes zum Jürgensee während des frühen Mittelalters. Es kann deshalb angenommen werden, dass es sich hierbei um eine Zuwegung in Form eines Bohlenweges, einer Plattform oder eines Steges gehandelt hat; denkbar ist jedoch auch, dass die Pfosten zum Festmachen von Booten im rückwärtigen Jürgensee dienten.

Die Rekonstruktion des frühmittelalterlichen Wasserstandes von -0,25 m NN sowie die bis an den Fuß des heutigen Bauhofs reichenden Strand- bzw. Flachwasserablagerungen belegen den direkten Zugang zu offenem Wasser. Tiefe und Breite des schiffbaren Gewässers sowie die Anbindung an den Usedomer See sind bislang nicht geklärt, deshalb sollen sie in der 2. Projektphase weiter untersucht werden.

 

Ralswiek

Zur Überprüfung der von J. Herrmann rekonstruierten Schiffseinfahrten wurde im September 2014 in Verlängerung der ehemaligen Grabungsflächen im westlichen Randbereich des Siedlungsareals ein 10 x 2 m großer Testschnitt angelegt. Mit dem Schnitt sollten sowohl die Ergebnisse der geoarchäologischen und geophysikalischen Untersuchungen verifiziert als auch neue Erkenntnisse zur Interpretation der mutmaßlichen Schiffseinfahrten gewonnen werden.

Die im Rahmen der Untersuchung erbrachten Resultate zeigen dabei eine weitgehende Übereinstimmung mit den von Herrmann dokumentierten Schichtabfolgen. Nach Ausweis des Fundmaterials lassen sich die Siedlungsspuren vornehmlich in die spätslawische Zeit (11./12. Jh.) datieren, zahlreiches Keramikmaterial belegt allerdings auch eine mittelalterlich-neuzeitliche Besiedlung. Zwischen den Siedlungsschichten wurden zudem mehrere Kiesbänder in unterschiedlicher Mächtigkeit erfasst, die auf einzelne Sturmflutereignisse und nicht, wie bei Herrmann (1997, 28) postuliert, auf eine Transgressionsphase zurückgeführt werden können. Offenbar wurden insbesondere die Randbereiche der Siedlung mehrfach im Zuge von Sturmfluten überspült und anschließend wieder überbaut. Am nördlichen Ende konnten drei Pfostenreihen sowohl aus Eichenspaltbohlen als auch aus Rundhölzern dokumentiert werden, im Süden war der Graben durch eine einzelne W-O verlaufende Pfostenreihe aus Rundhölzern, die der mittleren nördlichen Reihe entspricht, begrenzt.


Geländearbeiten 2013

Rostock-Dierkow

Die bei den Untersuchungen in Rostock-Dierkow erzielten Ergebnisse belegen das hohe Potential des Platzes für die Erforschung eines frühmittelalterlichen Handelsplatzes im südlichen Ostseeraum und seines Hafens. Neben dem Nachweis von weitreichenden Handelskontakten und einer über den Eigenbedarf hinausgehenden gewerblichen Produktion konnten umfassende Bauaktivitäten und Landerschließungsmaßnahmen des späten 8. und frühen 9. Jahrhunderts westlich des Primelberges dokumentiert werden. Diese auf die Warnow ausgerichteten Baumaßnahmen, u. a. gut erhaltene mehrphasige Flechtwerkmatten zur Landgewinnung sowie Stegkonstruktionen, weisen auf ein Hafenareal hin, für dessen Erhalt bzw. für die Verbesserung seiner Nutzbarkeit umfangreiche Baumaßnahmen durchgeführt wurden. Zeitgleich zum Ausbau des Hafenareals erfolgte eine Erweiterung des Seehandelsplatzes über den Primelberg hinaus, so dass nunmehr von einer Größe von etwa 3 ha ausgegangen werden muss. In Rostock-Dierkow besteht somit die einmalige Möglichkeit, sowohl die Entwicklung und Dynamik des Hafens als auch der Siedlung sowie die Anbindung zueinander detailliert zu erforschen.

Zur Lokalisierung und Verifizierung der westlich des Primelberges zu erwartenden Hafenstrukturen wurden am Übergang vom Primelberg zur Hechtgrabenniederung drei archäologische Schnitte mit einer Grundfläche von 37 m2 angelegt, die durch Punktsondagen ergänzt wurden. Dabei wurden u.a. großflächig auf dem torfigen Untergrund aufgebrachte Flechtwerkmatten­konstruktionen erfasst. Sie bestehen aus einzelnen aneinander gelegten, unterschiedlich großen Flechtwerkmatten mit Ausmaßen zwischen 1,5 x 3 m und 2 x 2,6 m. Die Ausdehnung der Flechtwerkmattenkonstruktionen ist durch Bohruntersuchungen und Punktsondagen auf einer Fläche von 160 x 30 m nachgewiesen. Es ist somit davon auszugehen, dass die zwischen Primelberg und dem damaligen Warnowzufluss gelegenen Niederungs­bereiche im Rahmen systematischer Landerschließungsmaßnahmen mit Flecht­werk­matten begehbar gemacht wurden. Ein weiterer Grund für diese Maßnahme dürfte die sukzessive Verlandung der Hechtgrabenniederung gewesen sein, die zur Verlagerung des Hafenareals Richtung Westen führte. Vergleichbare Flechtwerkkonstruktionen als infrastrukturelle Maßnahmen zur Landgewinnung konnten u. a. auch in Haithabu und Wolin nachgewiesen werden und belegen somit infrastrukturelle Gemeinsamkeiten der frühmittelalterlichen Häfen im südwestlichen Ostseeraum.

Nach Ausweis der dendrochronologischen Untersuchungen durch B. Leuschner (DELAG Göttingen) erfolgten diese massiven infrastrukturellen Baumaßnahmen im späten 8. Jahrhundert (780er/790er Jahre), einzelne Jahrringdaten belegen weitere Ausbauten bzw. Reparaturen im frühen 9. Jahrhundert (810er Jahre). Oberhalb der Mattenkonstruktionen wurden zahlreiche Siedlungsschichten entdeckt, die aus bis zu 15 cm mächtigen Aufträgen aus fundfreiem, hellem Sand aber auch aus Kulturschichten bestehen können.

Aus dem umfangreichen Fundmaterial ist zu erschließen, dass im Bereich des durch Flechtwerkmatten befestigten Teils der Siedlung auch Warenaustauch stattfand. Dazu gehören z.B. ca. 240 Glasperlen, unter denen importierte Wespen- und Bleiglasperlen sowie mit Silberfolien überzogene Reihenperlen dominieren.

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