Häfen

von der Römischen Kaiserzeit bis zum Mittelalter

Arbeiten im Projekt "Effizienz und Konkurrenz"

Das antike Hafenareal Populonias
Über Wasser sichtbare Reste der Anlage von Graviscae
Die Brücke von Vulci

Die zu untersuchenden Häfen verteilen sich über die seit augusteischer Zeit bestehenden regiones I und VII, Latium et Campania an der tyrrhenischen Küste südlich von Rom und Etruria, nördlich von Rom. Im Vordergrund der Arbeiten stand zunächst die Bearbeitung der Region Etrurien. Hier liegen die Hafenplätze Pisa, VadaVolaterrae, Populonia/Piombino, Telamon, Cosa, Graviscae, Centumcellae, Castrum Novum, Punicum, Pyrgi, Alsium und Fregenae. Region I steht in der zweiten Arbeitsphase im Fokus der Untersuchungen.

Die Literaturrecherchen erbrachten eine Bestandsaufnahme der Häfen und ermöglichten einen ersten Überblick über die historische Entwicklung der Region.  In der Zeit vom 22. April bis 11. Mai 2013 wurde eine Exkursion zu den etrurischen Häfen durchgeführt. Die Feldstudie diente zur Geländebegehung und zur Fotodokumentation der Befunde. Ziel war es, die Einbettung der Hafenplätze in die Topografie am Befund nachzuvollziehen, um das Siedlungs- und Wegenetz besser beurteilen zu können. Ferner waren ergänzende Unterwasseraufnahmen der verbliebenen Anlagen, besonders in Pyrgi und Graviscae, geplant.

Die erste Station war Pisa. Hier konnten Reste eines der vermutlich drei Häfen an der Bahnstation S. Rossore dokumentiert werden. Bei den seit den 90er Jahren stattfindenden Ausgrabungen kamen 16 gut erhaltene Schiffswracks aus unterschiedlichen Nutzungsphasen des Hafens ans Tageslicht. Letztere sind derzeit nicht zugänglich. In unmittelbarer Nähe entsteht ein neues Museum im Arsenale Medici, dessen Eröffnung für den Herbst 2014 vorgesehen ist. Im Hinterland von Pisa liegt, am Fuß der Berge, San Giuliano Terme. Dieser Ort verdeutlicht in besonderer Weise die topgraphischen Gegebenheiten, die für die herausragende wirtschaftliche Position Pisas über fast 2000 Jahre hinweg maßgeblich waren. Pisa liegt in einer Ebene, umschlossen und durchdrungen vom Arno und dem Auser Delta, wobei die Auser heutzutage kein Wasser mehr führt. Im Osten der Ebene erheben sich die Ausläufer des Apennin. Hier gibt es zahlreiche Steinbrüche, die Marmor, Tuff-, Kalk- und Sandstein für die Monumentalbauten der Region und in der frühen Kaiserzeit vor allem für die Gebäude in der Stadt Rom lieferten. Die Wälder waren außerdem Rohstofflieferanten für das Holz zum Haus- und Schiffbau. Der Arno bildete hierbei für die Materialien die gut schiffbare Achse zum Hafen von Pisa und von dort aus in die verschiedenen Richtungen zu Wasser und Zu Lande.

Das von Pisa aus gesehen nächst südlichere, wirtschaftlich relevante Zentrum war Volterra. Von den Römern Volaterrae genannt, entstand hier unter römischer Herrschaft im 3. und 2. Jahrhundert v. Chr. ein Zentrum für Alabasterhandwerk. In diesem Kontext soll auch der Hafen Vada entstanden sein. Glaubt man Rutulius Namatianus, dem römischen Diplomaten, der Anfang des 5. Jahrhunderts n. Chr. auf dem Weg nach Gallien hier vorbei segelte, lagen vor dem Hafen gefährliche Untiefen, durch die ein schmaler Kanal zum Hafen führte (Rut.Nam. 453-462). Im Gegensatz zum Arno-Delta schieben sich die Berge hier deutlich dichter an den flachen Küstenstreifen heran und sind durch kleine Kolonien besiedelt gewesen. Die Berge südlich Volterras, die sogenannten Colline Metallifere, sind durchzogen von Erzabbaugebieten, die seit etruskischer Zeit genutzt werden. Einer der wichtigsten wirtschaftlichen Umschlagplätze war Populonia. Allerdings spielte die Eisenindustrie Etruriens in der mittleren Kaiserzeit eher eine untergeordnete Rolle. Der Hafen, zusammen mit einigen wenigen Brennöfen am Strand, hielt sich laut Strabo (Geogr. 5.2.6) allerdings länger als die erhöht gelegene Siedlung, die im 1. Jh. v. Chr. von Sulla zerstört wurde. Auch wenn seit den 1920er Jahren die antike Schlacke erneut verhüttet wurde, ist der Strand von Baratti, wie das antike Hafenareal heute heißt, weiterhin übersät mit Schlackefragmenten. Im Hafenareal sind mehrere, nach Aussagen der ansässigen Speerfischer allerdings rezente,  zerrüttete Wellenbrecher zusehen.

Auf dem Weg nach Talamone, nordöstlich von Grosseto, befindet sich  die antike Stadt Rosella - ungefähr auf halbem Weg vom antiken Hafen Populonia zum Hafen Telamon situiert. Der Hafen Telamon stand nach Ausweis der Quellen stets im Schatten des Mons Argentario mit seinen Häfen Cosa, Portus Hercules und Orbetello. Von den baulichen Resten des Hafens ist heute nichts mehr zu sehen, lediglich die Tempelfundamente am sogenannten Telamonaccio sollen angeblich noch anstehen, jedoch sind sie z.Z. nicht zugänglich. In Orbetello lässt sich noch die etruskische Stadtmauer besichtigen, in deren Mauerverbund noch Ansätze einer Kaianlage zu erkennen sind. Durch die Gründung Cosas 273 v. Chr., das wesentlich günstiger an der Via Aurelia lag, verlor auch dieser Hafen an Bedeutung. Ein vergleichbares Schicksal ereilte Telamon und Portus Hercules.

Portus Hercules, das heutige Porto Ercole, hat sich bis heute als Sporthafen mit bescheidener Fischerei gehalten. Er ist einbettet in eine natürliche Hafenbucht, die an dieser Küste optimalen Schutz bietet. Die relativ weite Entfernung zur Via Aurelia brachte aber sicherlich wirtschaftliche Standortnachteile mit sich.

Im Hinterland Cosas verteilen sich verschiedene etruskisch-römische Siedlungen, wie zum Beispiel Saturnia, mit seiner heißen Quelle, Sovana mit den beeindruckenden Grabanlagen, die in den Tuffgearbeitet wurden und Pitigliano. Diese Orte liegen an der antiken Via Clodia, die sicherlich einen stärkeren Einfluss auf diese Orte hatte als die Via Aurelia und die Küstenregion. Dieser These wird in den Folgeuntersuchungen weiter nachzugehen sein.

Der letzte Reiseabschnitt umfasste die Gegend zwischen Cosa und Fiumicino. Hier drängen sich die meisten antiken Hafenplätze. Teilweise nur wenige Kilometer voneinander entfernt liegen die Häfen Graviscae, Centumcellae, Castrum Novum, Punicum, Pyrgi, Alsium und Fregenae. Von den meisten Häfen sind, wie zu erwarten war, keine baulichen Überreste mehr erhalten. Als größte wirtschaftliche Macht in dieser Region ist Caere zu nennen, das sein Einflussgebiet teilweise bis kurz vor die Tore Tarquinias ausgeweitet hat. Die Erzvorkommen des Tolfamassivs trugen im Wesentlichen zum Reichtum dieser Gegend bei. So sind auch am Strand von Pyrgi, wenn auch nicht in solch großer Anzahl wie in Populonia, antike Schlackefragmente zu finden.

Eine beeindruckende Station auf diesem Reiseabschnitt ist das Museo del mare e della navigazione antica im Castello Santa Severa, das unter Zuhilfenahme von Originalen und Modellen die Geschichte der antiken Schifffahrt sehr gut aufarbeitet.

Trotz technischer Schwierigkeiten bei den Unterwasseraufnahmen war die Reise insgesamt ein großer Erfolg: Es verstärkte sich der Eindruck, dass die Region Etrurien  weitaus weniger homogen war, wie oftmals durch die Forschungsliteratur vermittelt wird. Bisher wurden die Häfen zudem sehr isoliert betrachtet. Ihre Abhängigkeit von den großen Siedlungszentren im Hinterland ist dagegen nicht von der Hand zu weisen, wenn man neben der Verbreitung von Exportwaren auch das Auftauchen maritimer Themen im sepulkralen Kontext betrachtet. Daher erscheint es sinnvoll, die Grabfunde stärker einzubeziehen, weil sich hier eine Verbundenheit zu maritimen Themen anhand der Bildthemenwahl bzw. des Motivschatzes nachweisen lässt, bzw. das Fehlen solcher Themen als stärkere Abgeschiedenheit von der Küste ausgelegt werden könnte. Dieser These wird in den folgenden Monaten detailliert nachgegangen.

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