Häfen

von der Römischen Kaiserzeit bis zum Mittelalter

Häfen als Siedlungsfaktoren zwischen Römischer Kaiserzeit und Mittelalter im Bremer Becken

Bremen-Kirchhuchting, Blick von Sandkuppe auf Marschland mit älterem Flußlauf
Bremen-Kirchhuchting, geomagnetische Überblicksmessung
Bremen-Kirchhuchting, geomagnetische Detailmessung
Übersicht der zu bearbeitenden Fundplätze im Bremer Becken
Bremen-Kirchhuchting, Ausgrabungen in den 1970er Jahren

In dem rund 400 qkm großen Bremer Becken der Weser sind in den vergangenen Jahrzehnten über 100 kaiserzeitliche und/oder mittelalterliche Siedlungsplätze in den unterschiedlichen Naturräumen von Geest, Düne und Marsch bekannt und alle teilweise ausgegraben worden. Dieser Regionalraum wird als regionales Verkehrsnetz für die Binnenschifffahrt im 1. Jt. n. Chr. angesehen. Die dort liegenden Fundplätze fallen durch ihre Importstücke wie Mayener Basaltmühlsteine, Glas, römische Militaria und Münzen oder nicht einheimische Keramik auf. Zum Teil weisen sie im Befund bzw. im Fundmaterial schon einen erheblichen Anteil an Gewerbeindikatoren auf, z. B. zur Textilproduktion. Publikationen zu diesen Siedlungsplätzen liegen bislang in Form von Kurz- oder Vorberichten vor. Nur zu den herausragenden Funden wurden bislang Einzelaufsätze vorgelegt, es fehlt aber jeweils eine systematische Auswertung der archäologischen Quellen. Für viele dieser Plätze wird eine Anbildung an das Gewässernetz der Weser angenommen und im Mittelpunkt des Beckens bildet sich im 8. Jahrhundert n. Chr. das Bistum Bremen heraus. Die Weser ist mit ihren rund 450 km Länge zwar deutlich kürzer als die im Schwerpunktprogramm genannten Ströme Rhein, Rhone, Elbe, Donau und Oder, aber sie bildet mit ihren Zuflüssen die Verbindung zwischen dem Mittelgebirgsraum zwischen Thüringer Wald, Harz und der Nordsee. Das Gewässersystem Weser war bis zum südlichen Rand des Becken vom Tidenhub der Nordsee beeinflusst und bildet also eine sich häufig verändernde Determinante für den Warenaustausch und den damit verbundenen Boots- und Schiffsverkehr, sowie für die Kommunikation der Siedlungen untereinander. In diesem Gewässersystem gab es zahlreiche umweltgeschichtlichen Implikationen: Nebenarme verlandeten, durch Dünendurchbrüche entstanden neue Weserarme und der Siedlungsfaktor „Hafen“ dürfte sich deshalb mehrfach verändert haben. Für alle diese Siedlungsplätze fehlen Ergebnisse der modernen geophysikalische Prospektionsmethoden, um das Umfeld der Siedlung, zu dem auch die multifunktionale Hafenanlage gehören kann, systematisch zu erfassen. Als Hafen verstehen wir hierbei zunächst einmal den von Ellmers definierten Oberbegriff des Hafens als eine für jede Art Wasserfahrzeugen vorhandene Landestelle oder Liegeplatz.

Das Projekt will diese empfindliche Forschungslücke über verschiedene methodische Herangehensweisen verringern. Mit Hilfe von geophysikalischen Prospektionsmethoden soll die nähere Umgebung der Siedlungen auf mögliche Hafenstrukturen untersuchen werden (Sektion 1). Hierfür sind verschiedene Siedlungen aus dem Zeitraum zwischen Römischer Kaiserzeit und Mittelalter des Bremer Becken ausgewählt, bei denen aufgrund von Beobachtungen oder aufgrund anderer Hinweise eine gewässergebundene Infrastruktur angenommen werden muss. Ergänzend soll eine Auswertung der archäologischen Befunde und Funde dieser Siedlungen vorgenommen werden (Sektion 2). Ferner soll unter Analyse der schon vorhandenen Bohrungen im Archiv des Geologischen Dienstes für das Bundesland Bremen - hier sind über 70 000 Bohrungen für das Land archiviert - die Gewässerlandschaft des Bremer Beckens geoarchäologisch in Hinblick auf ihre Schiffbarkeit untersucht werden (Sektion 3). Hier hoffen wir auf eine projektübergreifende Anwendung von Methoden im Rahmen des Schwerpunktprogramms. Als Ergebnis erwarten und erhoffen wir für das Bremer Becken neue Erkenntnisse über die Nutzung des Gewässersystems Weser als Kommunikations-, Distributions- und Versorgungsweg. Gleichzeitig könnten sich durch die Forschung Hafenstrukturen in einem geografischen Kleinraum im Umfeld einer sich entwickelnden Stadt/Bistumssitz mit eigenem Hafen als maßgeblichem Siedlungsfaktor für die kaiserzeitlichen und frühmittelalterlichen Siedlungen ergeben.

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