Häfen

von der Römischen Kaiserzeit bis zum Mittelalter

Der Hafen Andernach

Überblick über die Ausgrabungsfläche in Andernach
Die spätantike Kastellmauer von Antunnacum (Andernach)
Entnahme eines Bohrkerns
1. Projektphase (2012-2015)
Projektteam

Dr. Dr. Axel von Berg
Leiter Außenstelle Koblenz
Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz
Direktion Landesarchäologie
Außenstelle Koblenz
Niederberger Höhe 1
56077 Koblenz
Tel.: 0261/6675-3000

Dr. Eveline Saal M.A.
Rheinische-Friedrich-Wilhelms Universität Bonn
Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie
Regina-Pacis-Weg 7
53113 Bonn
E-Mail: esaal(at)uni-bonn.de
Tel.: 0261/6675-3017

Manuel Kickenberg
Rheinische-Friedrich-Wilhelms Universität Bonn
Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie
Regina-Pacis-Weg 7
53113 Bonn
E-Mail: mkick(at)uni-bonn.de
Tel.: 0261/6675-3017

Projektbeschreibung

In der am linken Ufer des Mittelrheins gelegenen Stadt Andernach (Ldkr. Mayen-Koblenz/Rheinland-Pfalz/D) finden bereits seit dem Jahr 2008 großräumige Ausgrabungen im Altstadtkern durch die Generaldirektion Kulturelles Erbe, Direktion Landesarchäologie, Außenstelle Koblenz, statt. Das antike Antunnacum florierte als Hafenort seit der römischen Zeit vor allem durch den weitläufigen und umfangreichen Export von gefragten Produkten aus Tuff, Basalt und Keramik aus der Osteifel. Dabei wirkte sich seine verkehrsgünstige Lage positiv auf die Siedlungsentwicklung aus. Im Rahmen des DFG-Projektes werden die bisher nur ansatzweise bekannten Anlagen des bedeutenden Exporthafens am Rhein mit interdisziplinären Methoden erforscht.

Die günstige verkehrsgeographische Lage im Schnittpunkt großer Fernstraßen und am Rhein machte Antunnacum seit der römischen Zeit zum idealen Verladestandort für die Basalt- und Tuffprodukte der Steinindustrie um Kruft, Mendig und Mayen. Eine bedeutende Rolle spielte der Ort auch sicherlich für den Handel und den Transport der Waren aus den Mayener Töpferbetrieben. Dabei standen die Güterproduktion in der Region und der Erfolg des rheinischen Exporthafens und somit auch das Wachstum der römischen Siedlung in Abhängigkeit zueinander. Andernach war noch bis in die Moderne der wichtigste Umschlagplatz für Mühlsteine aus Basalt und Produkte aus dem Vulkanfeld der Osteifel. Der bisher nur in Ansätzen bekannte Hafenbezirk lag an einer Bucht des antiken Rheinlaufes, die in römischer Zeit zu einer Hafenanlage ausgebaut wurde. Mehrere Verladestellen sind entlang der Andernacher Rheinfront anzunehmen.

Bereits seit dem Jahr 2008 finden großflächige Ausgrabungen innerhalb der antiken Siedlung, unmittelbar südlich der spätantiken Kastellmauer durch die Landesarchäologie, Außenstelle Koblenz statt. Mit den archäologischen Untersuchungen im Kern der heutigen Altstadt wurde nach dem Abriss der alten Malzfabrik begonnen. Auf einer Fläche von ca. 4.000 m2 sind Gebäudereste der ehemaligen römischen Hafenbebauung erhalten. Außerdem ist die rheinseitige Kastellmauer aus spätantiker Zeit auf einer Länge von 60 m vorhanden, die das Siedlungsareal von dem antiken Hafenbereich abgrenzt. Der unmittelbare Bezug von Hafen und Siedlung ist erkennbar und dokumentiert. Funde aus Sondagen im eigentlichen Hafenbereich belegen seine Nutzung schon seit dem 1. Jh. n. Chr. Um den Flusshafen entwickelte sich seit dieser Zeit eine dichte Bebauung mit Häuserzeilen und Thermenanlagen, die entlang kiesgestickter Straßenführungen liegen. Vielfältige Handwerkstätigkeiten konnten durch Keramikbrennöfen, Metallschmelzen und Backöfen nachgewiesen werden. Im 4. Jh. wurden die zivilen Stadthäuser abgebrochen und mehrere Großbauten inmitten der älteren Bebauung errichtet. Siedlungsreste, die von der Völkerwanderungszeit bis in das frühe und hohe Mittelalter reichen, können deutlich erfasst werden. Entsprechende Erkenntnisse zur Kontinuität sind auch für die Nutzung des Hafens anzunehmen.

Für die aktuellen Untersuchungen im Rahmen des DFG-Projektes steht ein ca. 3400 mgroßes, unbebautes Terrain zur Verfügung. Das Areal liegt unmittelbar zwischen der rheinseitigen Kastellmauer und dem heutigen Rheinbett. In diesem Bereich konnte durch Schnitte im Jahr 2008 ein antiker Hafenbezirk lokalisiert sowie die Mächtigkeit seiner Verlandungsschichten festgestellt werden. Die Erhaltung organischer Reste und die reichhaltigen Funde in den wasserführenden Feuchtsedimenten der Hafensohle erwiesen sich dabei als vorzüglich.

Aktuell wurde im Dezember 2012 mit einer Schnittanlage direkt nördlich im Außenbereich des Kastells und somit im Hafenareal begonnen. Diese Schnittanlage hat eine Ausdehnung von 16 m Länge und 10 m Breite. Nach einer hochwasser- und wetterbedingten Grabungspause sollen die archäologischen Untersuchungen im Frühjahr 2013 fortgesetzt werden. Bislang konnte an dieser Stelle in den oberen Horizonten bereits ein mit sehr feinen Schwemmschichten aufgefüllter Graben im Profil erfasst werden. Nach Aussage der ältesten bildlichen Quellen Andernachs aus den Jahren 1591 und 1633 handelt es sich bei dem Befund um den Stadtgraben, der den Ort in der frühen Neuzeit sicherte. Die Stadtmauer bestand im Kern aus der spätantiken Kastellmauer.

Ergänzend zu diesem archäologischen Sondierschnitt sowie zur Klärung der Abfolge und Mächtigkeit der Sedimentschichten wurde ein 75 m langes Bohrtransekt angelegt, das aus 17 in S-N Richtung angelegten Rammkernsondagen besteht. Nach den vorläufigen Ergebnissen dieser Bohrungen zu urteilen, scheint sich im Bereich 35-40 m nördlich der Kastellfront eine mögliche, parallel zum Rhein verlaufende hölzerne Uferbefestigung abzuzeichnen. Dafür sprechen unter Anderem zahlreiche Nassholzfunde, die in den betreffenden Bohrkernen enthalten waren. Zur Klärung dieser Annahme sind im nächsten Schritt zusätzliche geophysikalische Untersuchungen geplant.

Um die Struktur des Hafenbeckens und seiner Einbauten im Kontext des römischen vicus bzw. der spätantiken Befestigung bestmöglich zu klären, sind neben den archäologischen Sondagen auch naturwissenschaftliche Untersuchungen mit Kooperationspartnern aus den Bereichen der Geophysik, Geologie und Archäobotanik vorgesehen. Ziel des Teilprojektes ist es, mit modernen Methoden neue und umfassende Erkenntnisse über die Landnutzung, die Flussentwicklung und zu den Umweltveränderungen seit Beginn der römischen Epoche bis in das Mittelalter zu gewinnen.

Literatur:

D. Ellmers, Archäologischer Kommentar zu dem Gedicht des Venantius Fortunatus über seine Moselreise. In: K. Schäfer, (Hrsg.), Andernach im Frühmittelalter. Venantius Fortunatus. Begleith. Sonderausstellung Stadtmuseum Andernach 1. Juli–4. September 1988. Andernacher Beitr. 3, 1988, 25-68.

M. Huiskes, Andernach im Mittelalter. Von den Anfängen bis zum Ende des 14. Jahrhunderts. Rheinisches Archiv 111 (Bonn 1980).

H. Lehner, Antunnacum. Bonner Jahrb. 107, 1901, 1-36.

J. Röder, Neue Ausgrabungen in Andernach. Germania 39, 1961, 208-213.

K. Schäfer, Andernach in vor- und frühgeschichtlicher Zeit. In: F.-J. Heyen (Hrsg.), Andernach. Geschichte einer rheinischen Stadt (Andernach 1988) 1-29.

K. Schäfer, Andernach - Drehscheibe des antiken Steinhandels. In: Steinbruch und Bergwerk. Denkmäler römischer Technikgeschichte zwischen Eifel und Rhein (Mainz 2000) = Vulkanpark Forsch. 2, 83-109.

F. Timme, Andernach am Rhein und die topographischen Anfänge der älteren Flußuferstädte. In: A. von Brandt/W. Koppe (Hrsg.), Städtewesen und Bürgertum als geschichtliche Kräfte. Gedenkschr. Fritz Rörig (Lübeck 1953) 401-421.

A. von Berg, Mann mit Helm. Arch. Deutschland 6, 2009, 54-55.

A. von Berg, Friesen in Andernach? Arch. Deutschland 5, 2011, 52.

A. von Berg, Goldring im Keller. Arch. Deutschland 2, 2012, 53.

A. von Berg, Stadtkerngrabung im römischen Andernach auf dem Weissheimer Gelände der ehemaligen Malzfabrik. Andernacher Annalen 10 (Andernach 2013) (im Druck).

H.-H. Wegner, Römisches Kastell. In: Koblenz und der Kreis Mayen-Koblenz. Führer arch. Denkmäler Deutschland 12 (Stuttgart 1986) 101-106

H.-H. Wegner, Andernach MYK. In: H. Cüppers (Hrsg.), Die Römer in Rheinland-Pfalz (Stuttgart 1990) 304-306.

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