Häfen

von der Römischen Kaiserzeit bis zum Mittelalter

Bohlbrücke
Planum

Der Hafen in Xanten

Projektteam

Dr. Bernd Liesen
LVR-Archäologischer Park Xanten / LVR-RömerMuseum
Trajanstr. 4
46509 Xanten
fon: 02801-712-152
mail: Bernd.LiesennoSpam@lvr.de

Sabine Leih M.A.
LVR-Archäologischer Park Xanten / LVR-RömerMuseum
Trajanstr. 4
46509 Xanten
fon: 02801-712-118
mail: Sabine.LeihnoSpam@lvr.de

Dr. Valeria Selke
LVR-Archäologischer Park Xanten / LVR-RömerMuseum
Trajanstr. 4
46509 Xanten
fon: 02801/712-134
mail: Valeria.SelkenoSpam@lvr.de

Ziel des Projekts ist, mit dem kaiserzeitlichen Hafen der Colonia Ulpia Traiana ein Referenzmodell für die strukturelle Analyse urbaner römischer Häfen in den nordwestlichen Provinzen des Imperiums zu gewinnen und seine Bedeutung für die Versorgung der Region mit Waren aller Art zu klären. Die Anlage wurde durch zahlreiche Grabungen archäologisch untersucht und ist als geschütztes Bodendenkmal Teil des LVR-Archäologischen Parks Xanten.

 

 

Projektbeschreibung

Im Raum Xanten ist römische Besiedlung von der Zeitenwende bis zum ausgehenden 4. Jahrhundert n. Chr. nachweisbar. Es existierten zwei zeitlich aufeinander folgende Legionslager (Vetera I, Vetera II), eine Siedlung, die im späten 1. Jahrhundert Stadtrechte erhielt (Colonia Ulpia Traiana) und wohl im späten 3. Jahrhundert auf einen stark befestigten Kernbereich reduziert wurde (Tricensimae), ferner ein Vicus. Damit war Xanten nach Köln die zweitgrößte urbane Agglomeration der römischen Provinz Niedergermanien.

Dem Hafen bei Xanten kommt für die Verkehrsanbindung der Region grundlegende Bedeutung zu. Archäologisch untersucht wurde er soweit, dass sich zentrale Anlagen lokalisieren, funktional bestimmen und teilweise datieren lassen. Damit ist er die besterforschte Hafenanlage in den germanischen Provinzen.

 

Forschungsstand

Die naturräumlichen Gegebenheiten des Gebiets sind gut bekannt. Für den Xantener Hafen wurde ein Prallhang mit hoher Wassertiefe als Standort gewählt. Der Hafen verlandete im Laufe der Nutzungszeit zusehends.

Lokalisiert wurde der Hafen durch Grabungen H. von Petrikovits‘ 1934–1935. Freigelegt wurde unter anderem eine große Kaianlage in Holzbauweise. Zahlreiche Untersuchungen erfolgten in den 1970er Jahren: Gegenüber einem Stadttor wurde eine weit in die Hafenrinne reichende Mole angetroffen. Gebäudereste im südlichen Bereich könnten von Bootshäusern stammen. 1993 wurden das Hafenbecken und die Uferbereiche untersucht. Auch dort zeigte sich eine massive Holzkonstruktion als Uferbefestigung. Südlich dieses Kernbereiches wurden Reste eines Doppelgrabensystems angetroffen, möglicherweise eine befestigte Uferanlage.

Aufschluss zur Bauabfolge erbrachten dendrochronologische Untersuchungen: Die ältesten Hölzer der Kaianlage hatten ein Fälldatum von 46 n. Chr. Im nördlichen Abschnitt fand sich eine Flechtwerkwand aus der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts. Baumaßnahmen an der Kaianlage fanden um 76, um 92 und um 137 statt. Die Uferbefestigung im Süden ist flavisch. Wohl ab 130 wurde die Anlage auch im Norden aufwändig als Kai ausgebaut. Dort fanden sich Reste massiver Holzkonstruktionen, deren Deutung noch unsicher ist (Hebevorrichtungen?) und möglicherweise eines Uferwegs. Die Verlandung setzte wohl bereits im 2. Jahrhundert ein. Danach wurden größere Flächen teilweise anplaniert und bebaut. Die Aufgabe des Hafens steht in Zusammenhang mit Verlandungsprozessen im 3. Jahrhundert.

Der funktionale Bezug zwischen dem Hafen und der Siedlung wurde bislang nur in Ansätzen ergründet. Insbesondere ist noch offen, welche Bedeutung der Hafen in der Vorkoloniezeit für die Versorgung des benachbarten Legionslagers hatte. Unmittelbar am Hafen befanden sich Handwerksbetriebe.

Die Errichtung der Stadtmauer ab 106 bedeutete dann eine planmäßig geregelte Erschließung des Hafengeländes über mehrere Zugänge. Offensichtlich ist, dass nun mit dem Decumanus maximus eine der wichtigsten innerstädtischen Verkehrsachsen direkt zum Hafen führte und ihn an das überörtliche Verkehrsnetz anband.

Die partielle Aufgabe der Colonia im mittleren 3. Jahrhundert wurde in der Forschung in erster Linie als Reaktion auf einen allgemeinen Bevölkerungsschwund oder militärisch-politische Krisen aufgefasst, weniger als eine Folge der Verlandung des Hafens unter teilweisem Verlust der Zentralfunktion. Die reduzierte spätantike Stadt verfügte über keine unmittelbare Anbindung an den Rhein mehr.

Über den Hafen lief ein Großteil des Warenverkehrs der Colonia Ulpia Traiana, die ökonomisch als stark durch den militärischen Komplex des Legionslagers geprägte „Konsumentenstadt“ mit geringen Exportimpulsen gilt. Entsprechend werden Einfuhren im Fundmaterial der Stadt und des Umlandes in großen Mengen fassbar, während über Exporte weitgehend Unklarheit besteht. An bestimmten Gruppen von Lebensmittelbehältern lässt sich zeigen, dass die Importspektren Xantens und der Umgebung sich von denen im südlichen Teil der Germania inferior klar unterscheiden. Dies lässt auf eine teilweise abweichende Organisation der Lebensmittelversorgung schließen.    

 

Ziele und Arbeitsprogramm

Die bisherigen Bohrprogramme sollen ergänzt werden. Die Auswertung der Sedimente soll der Rinnentiefe und der Verlandungsgeschichte gelten.

Die Baugeschichte der in ihren Grundzügen bekannten Anlagen soll durch eine detaillierte Befundanalyse geklärt werden. Geomagnetische Prospektionen sollen im südlichen Bereich des Hafenbeckens weiteren Aufschluss darüber erbringen, ob und wie verlandete Bereiche des Hafenbeckens in der Folge genutzt wurden. Ferner sind Prospektionen im Bereich einer jüngeren Rheinschlinge vorgesehen, um mögliche Standorte eines Hafens der spätantiken Siedlung zu lokalisieren.

Geklärt werden soll, inwieweit die Entwicklung der Infrastruktur Änderungen der naturräumlichen Gegebenheiten reflektiert. Analysiert werden ferner die Wechselwirkungen zwischen der Baugeschichte des Hafens und der Stadtentwicklung, ebenso ob die Repräsentationsarchitektur den Hafen als Kernelement der Stadtanlage akzentuiert und ob die Lage von Produktionsbetrieben und Funktionsbauten in Bezug zum Hafen steht. Zur Klärung dieser Fragen wird angestrebt, ein Modell des Bezugssystems zwischen den verschiedenen, in ihrer Funktion zum Großteil bekannten Bauten der Colonia Ulpia Traiana zu entwickeln und mit dem anderer Zentralorte in den Nordwestprovinzen zu vergleichen. 

Die bekannten Unterschiede in der Belieferung mit bestimmten Gütern zwischen dem nördlichen und dem südlichen Teil der niedergermanischen Provinz beziehen sich sich im wesentlichen auf Lebensmittel. Geprüft werden soll, ob dies sich auch für andere Warengruppen nachvollziehen lässt.

Im wesentlichen durch Analyse veröffentlichter Materialbestände von anderen Fundplätzen soll geprüft werden, welche Güter exportiert wurden.

Im Rahmen des Projektnetzwerks soll bewertet werden, in welchem Maße sich Standortwahl, Disposition und Entwicklung sich in gleicher Weise wie in Xanten auch bei anderen zivilen Häfen insbesondere des nordwestlichen Reichsgebiets fassen lassen. Ein dahingehender Vergleich mit den Ergebnissen anderer Teilprojekte soll zeigen, ob die Anlage der Häfen auf ein bestimmtes Grundmuster zurückgeführt werden kann, und inwieweit sich baulich Unterschiede zwischen militärischen und zivilen Flusshäfen darstellen lassen. Ferner ist zu prüfen, ob in der Anlage der zivilen Häfen allgemein ein zeitlicher Wandel fassbar wird.

 

Literatur

P. Berni Millet, Einige Aspekte des Handels mit römischen Amphoren in Xanten. In: Xantener Berichte 14 (Mainz 2006) 19–24.

C. Bridger, Eine flavische Uferanlage in Xanten. In: Xantener Berichte 8 (Köln 1999) 341–346.

C. Bridger / K. Kraus, Die römische Besiedlung der Xantener Bucht. In M. Müller / H.-J. Schalles / N. Zieling (Hrsg.), Colonia Ulpia Traiana. Xanten und sein Umland in römischer Zeit. Xantener Berichte Sonderband. Geschichte der Stadt Xanten 1 (Mainz 2008) 595–606.

C. Carreras Monfort, A quantitative approach to the amphorae from Xanten: a more comprehensive view of the long-distance Roman trade. In: Xantener Berichte 14 (Mainz 2006) 25–39.

R. Gerlach / J. Meurers-Balke, Der Prallhang als Standortvorteil – der römische Rhein bei Burginatium. In: Archäologie im Rheinland 2013 (Stuttgart 2014) 114–117.

K.-H. Knörzer u. a., Der römische Hafen von Xanten. Geologische und botanische Untersuchungen. In: Xantener Berichte 5 (Köln 1994) 89–107.  

S. Lauinger, Ein Töpferofen am Xantener Hafen. In: B. Liesen (Hrsg.), Römische Keramik in Niedergermanien. Produktion – Handel – Gebrauch. Xantener Berichte 27 (Mainz, Darmstadt 2014) 113–121.

S. Leih, Der Hafen der Colonia Ulpia Traiana. In: M. Müller / H.-J. Schalles / N. Zieling (Hrsg.), Colonia Ulpia Traiana. Xanten und sein Umland in römischer Zeit. Xantener Berichte Sonderband. Geschichte der Stadt Xanten 1 (Mainz 2008) 447–469.

B. Liesen, Töpfereischutt des 1. Jahrhunderts aus dem Bereich der Colonia Ulpia Traiana (Schnitt 76/20). Xantener Berichte 4 (Köln 1994).

B. Liesen, Soziale und wirtschaftliche Entwicklungstendenzen der Colonia Ulpia Traiana im Spiegel des Fundmaterials. Von den Anfängen bis zum Beginn der Spätantike. In: M. Müller / H.-J. Schalles / N. Zieling (Hrsg.), Colonia Ulpia Traiana. Xanten und sein Umland in römischer Zeit. Xantener Berichte Sonderband. Geschichte der Stadt Xanten 1 (Mainz 2008) 211–226.

H. von Petrikovits, Die Ausgrabungen in der Colonia Ulpia Traiana. Die Ausgrabung der Kernsiedlung und der Uferanlagen (1934-1936). 1. Bericht. Bonner Jahrbücher 152, 1952, 41–161.

J. Remesal Rodriguez, Römische Amphoren aus Xanten. Epigraphische Aspekte. In: Xantener Ber. 14 (Mainz 2006) 43–48.

M. Reuter, Wirtschaftsstandort Colonia Ulpia Traiana – Handel und Handwerk in der CUT. In: M. Müller / H.-J. Schalles / N. Zieling (Hrsg.), Colonia Ulpia Traiana. Xanten und sein Umland in römischer Zeit. Xantener Berichte Sonderband. Geschichte der Stadt Xanten 1 (Mainz 2008) 471–493.

H.-J. Schalles, Die Wirtschaftskraft städtischer Siedlungen am Niederrhein: Zur Frage der wirtschaftlichen Beziehungen des römischen Xanten mit seinem Umland.  In: Th. Grünewald (Hrsg.), Germania inferior. Bevölkerung, Gesellschaft und Wirtschaft an der Grenze der römisch-germanischen Welt. Beiträge des deutsch-niederländischen Kolloquiums in Xanten (21.–24. September 1999). RGA Erg.-Band 28 (Berlin 2001) 431–   463.

N. Zieling, Geophysikalische Prospektionsmaßnahmen auf dem Gelände der Colonia Ulpia Traiana im Rück- und Ausblick. In: Xantener Berichte 14 (Mainz 2006) 307–313.

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