Häfen

von der Römischen Kaiserzeit bis zum Mittelalter

Der Hafen von Krefeld-Gellep (Gelduba)

Frachtschiff aus karolingischer Zeit
Reste der Kaianlage des Gelleper Hafens
Im Hafenbecken gefundene Netzsenker und Barren aus Blei
1. Projektphase (2012-2015)
Projektteam

Dr. Christoph Reichmann
Museumsleiter
Museum Burg Linn
Rheinbabenstr. 85
47809 Krefeld
E-Mail: Ch.Reichmann(at)Krefeld.de
Tel.: 02151/15539-112

Dr. Margareta Siepen
Museum Burg Linn
Rheinbabenstr. 85
47809 Krefeld
E-Mail: 
Margareta.Siepen(at)krefeld.de
Tel.: 02151/15539-126

Projektbeschreibung

Der römische Hafen von Gelduba wurde 1975 bei der Ausbaggerung des modernen Krefelder Rheinhafens entdeckt. Bei den Bauarbeiten stieß man auf die Reste einer hölzernen Kaianlage und vor allem auf Fundschichten mit Tausenden von Objekten. Diese konnten nicht systematisch untersucht werden, sondern wurden unbeobachtet ausgebaggert. Den Aushub aus dem Hafen kippte man in die benachbarte Kiesbaggerei und dort entstand im Sommer 1975 ein Eldorado für Schatzsucher. Heute finden sich circa 20.000 Gegenstände aus dem antiken Gelleper Hafen in Privatsammlungen. Die Dokumentation und Auswertung dieses Fundmaterials ist ein Ziel des Projektes.

Die römische Militärverwaltung errichtete nach dem Bataveraufstand um 71 n. Chr. am linken Rheinufer ein Auxiliarkastell an einem Ort namens Gelduba (Krefeld-Gellep). Die Festung lag vor Hochwasser geschützt auf einer Sanddüne an einem Nebenarm des Rheins, vom Hauptstrom durch vorgelagerte Inseln getrennt. Zur Infrastruktur des Kastells gehörten ein vicus und der Hafen. Landeinwärts war der Ort an die Nord-Süd verlaufende Limesstraße und ein nach Westen verlaufendes Straßennetz angebunden. Der Siedlungsstandort blieb trotz der Zerstörungen und politischen Veränderungen in der mittleren Kaiserzeit und in der Spätantike bis in das Frühmittelalter erhalten. Erst die allmähliche Verlandung des Seitenarms des Rheins ab dem 8. Jahrhundert führte zu einer Verlegung des Ortes rheinabwärts nach Norden. Nachweis für den Verlandungsprozess sind drei Schiffe, die in den Jahren 1972 und 1973 nördlich des Kastells entdeckt wurden.

Gegenüber von Gellep, rechtsrheinisch in Duisburg-Serm, konnte in den letzten Jahren anhand von Lesefunden eine Siedlung der Zeit vom 4. bis zum 10. Jahrhundert nachgewiesen werden. Die aufgelesene Keramik ist mit den zeitgleichen Funden von Gellep vergleichbar und zeigt die deutlichen Beziehungen zwischen den beiden Orten. Die Lage dieser Siedlung ist ein Hinweis auf Handelsbeziehungen vom Gellep über den Hellweg nach Westfalen. Desweiteren gibt es Belege für einen Fernhandel in den Mittelmeerraum bis zur syrischen Küste. Sowohl aus dem Hafenaushub, als auch aus dem Gräberfeld stammen Gefäße mit Graffiti in aramäischer Schrift. Unter den Tierknochen aus einem spätantiken Brunnen konnte der Oberschenkelknochen einer Wanderratte nachgewiesen werden, die nur in der Bilge eines Schiffes aus einem Hafen im Mittelmeer nach Gellep gelangt sein kann.

Bei den geborgenen Objekten aus dem ehemaligem Gelleper Hafen handelt es sich mehrheitlich um Buntmetallfunde, aber auch organisches Material wie Leder und Knochen liegt vor. Aufgrund der geschilderten Umstände ist dieses Fundmaterial nahezu die einzige Quelle für eine Rekonstruktion des historischen Geschehens im Hafen. Es geht hier nicht nur um Handel, Handwerk und Gewerbe, sondern auch um die Relikte aus Abfallschichten, die mit den Zerstörungen vom Kastell und vicus im 3. und 4. Jahrhundert in Zusammenhang gebracht werden können.

Literatur:

Ch. Reichmann, Gelduba (Krefeld-Gellep) als Fernhandelsplatz. In: Th. Grünewald (Hrsg.), Germania Inferior. Ergänzungsband des Reallexikons der Germanischen Altertumskunde 28, 2001, 480-516.

Ch. Reichmann, Der Hellweg als Handelsverbindung und der Rheinhafen Gelduba, in: W. Melzer und T. Capelle (Hrsg.), Bleibergbau und Bleiverarbeitung während der römischen Kaiserzeit im rechtsrheinischen Barbaricum. Soester Beiträge zur Archäologie 8 (Soest 2007) 147-162.

H.-Ch. Noeske, B. Winter-Noeske (Bearbeiter), Die Fundmünzen der römischen Zeit in Deutschland. Abt. VI, Bd. 3/1. (Hrsg.) Maria R.-Alföldi, Hans-Markus von Kaenel (Mainz 2011) 231-603.

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