Häfen

von der Römischen Kaiserzeit bis zum Mittelalter

Hafenanlagen im Rheinland

Das Arbeitsgebiet des Verbundprojektes
Projektteam

 

Antragsteller:

Prof. Dr. Jan Bemmann
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Regina-Pacis-Weg 7
53113 Bonn

Prof. Dr. Jürgen Kunow
LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland
Endenicher Str. 133
53115 Bonn

Prof. Dr. Michael Schmauder
LVR-LandesMuseum Bonn
Bachstraße 5-9
53115 Bonn

 

Mitarbeiter:

Dr. Manuela Mirschenz
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Wissenschaftliche Mitarbeiterin/ Projektleitung
Büro: LVR-LandesMuseum Bonn
Bachstraße 5-9
53115 Bonn
Tel. 0228-2070-248
E-Mail: hafenprojekt@lvr.de

Rahel Otte M.A.
Wissenschaftliche Hilfskraft

Silva Bruder M.A.
Wissenschaftliche Hilfskraft



Kooperationspartner:

Steve Bödecker M.A.
LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland
Endenicher Str. 133
53115 Bonn
E-Mail: Steve.BoedeckernoSpam@lvr.de
Tel.: 0228/9834-184

Prof. Dr. Renate Gerlach
LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland
Endenicher Str. 133
53115 Bonn
Tel.: 0228/9834-127
E-Mail: r.gerlachnoSpam@lvr.de

Dr. Thomas Roggenkamp
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität
Geographisches Institut

Dipl.-Geophys. Jobst Wippern
LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland
Endenicher Str. 133
53115 Bonn
Tel.: 0228/9834-133
E-Mail: jobst.wippernnoSpam@lvr.de

 
Projektbeschreibung

Der Rhein und andere Flussläufe, wie Erft und Rur, stellten in der Provinz Niedergermanien die wichtigsten Transportwege für Rohstoffe und Handelsgüter dar. Mit der umfangreichen Stationierung römischen Militärs am Rhein sowie der Entwicklung urbaner Siedlungsstrukturen ging ein enormer Bedarf an Baumaterialen zur Errichtung von Kastellen, Stadtmauern, öffentlichen Gebäuden u.a. einher. Dieser Bedarf war nur über den Wassertransport zu gewährleisten. Für die römische Zeit können daher erstmals massive Baumaßnahmen für den Schiffsverkehr beobachtet werden. Dabei ist die militärische und zivile Nutzung von Hafen- und Anlegestellen häufig nicht voneinander zu trennen. Vielmehr wurde in zivile Bauvorhaben auch die militärische Logistik eingebunden, wie der inschriftlich überlieferte Transport von Steinmaterial des Drachenfelstrachyts zum Bau des Forums der Colonia Ulpia Traiana durch die niedergermanische Flotte zeigt. Eine Reihe römischer Militär- und Zivilplätze am Niederrhein liegt heute abseits des Flussbettes. Hier bietet sich die Gelegenheit, die antike Uferzone im Vorfeld dieser Plätze zu untersuchen, um die Mikrotopografie zwischen den flussnahen Siedlungen und den ehemaligen Rheinverläufen sowie ihre Gestaltung als Hafen- und Anlegestelle zu rekonstruieren.

Zwischen dem Kastell Moers-Asberg/Asciburgium und der ehemaligen Uferkante des römischen Rheinverlaufes wurden 1974 an der Südostecke des Lagers Balkenreste einer Uferrandbefestigung/Anlegestelle festgestellt (Bechert 1989; Bridger 2009). Nördlich der Nordfront des Lagers konnten 1993 ebenfalls Reste einer weitgehend erhaltenen Uferrandbefestigung (dendrochronologische Daten zwischen 60 bis 90 n. Chr.) erkannt werden. Der heutige Rheinverlauf befindet sich ca. drei Kilometer weiter östlich, so dass Untersuchungen bezüglich des Verlagerungsprozesses vorzunehmen sind. Im Vorfeld von Asciburgium ist mit guten Erhaltungsbedingungen für organisches Material zu rechnen. 

Vor dem Kastell Kalkar-Altkalkar/Burginatium, einem der am besten erhaltenen Hilfstruppenlager am Rhein, wurden in den 1980er Jahren im Bereich der heute noch sichtbaren ehemaligen Uferkante des römischen Rheinverlaufes bei Bauarbeiten zahlreiche organische Funde aus dem Leybach geborgen, die auf Siedlungsschichten mit Feuchtbodenerhaltung im Hafenbereich schließen lassen. Hier bietet sich die Möglichkeit, die antike Hafensituation erstmalig zu fassen.

Dasselbe gilt für die Situation beim Lager Till-„Steinches Hof“ (derzeit laufende Grabungen). Der römische Warentransport auf dem Rhein ist durch zahlreiche historische Quellen und Wrackfunde belegt. Demgegenüber stellt der Transport schwerer Güter auf kleineren Fließgewässern mittels Flößen ein kaum fassbares Phänomen dar (Eckholdt 1980 und 1986).

Die Kalkbrennereien von Iversheim am Oberlauf der Erft lieferten in großem Umfang Branntkalk zu den Großbaustellen am Rhein (Sölter 1970). Neuuntersuchungen würden erstmals sowohl die Rekonstruktion der Verladeplätze als auch des römerzeitlichen Erftverlaufs ermöglichen und zugleich der Gewinnung von Aussagen zur Schiffbarkeit kleiner Flüsse dienen. Neben geophysikalischen Prospektionsmethoden ist es vor allem das Ziel geoarchäologischer Untersuchungen, die römerzeitliche Fließgewässerlandschaft zu rekonstruieren, um die Nutzung antiker Flöße und Flachkähne in der Eifel erstmals fassen bzw. das regionale Wasserwegenetz nachweisen zu können.

Literatur

T. Bechert, Hafen- und Uferbereich. In: Stadtarchiv Duisburg in Verbindung mit der Mercator-Gesellschaft (Hrsg.), Die Römer in Asciburgium. Duisburger Forsch. 36 (Duisburg 1989) 155–159.

C. Bridger, Eine römische Anlegestelle bei Asciburgium. Arch. Rheinland 2008 (Stuttgart 2009) 53–54.

M. Eckholdt, Schiffahrt auf kleinen Flüssen Mitteleuropas in der Römerzeit und Mittelalter. Schr. Dt. Schiffahrtsmus. 14 (Oldenburg/Hamburg/München 1980).

M. Eckholdt, Die Schiffbarkeit kleiner Flüsse in alter Zeit. Notwendigkeit, Voraussetzungen und Entwicklung einer Rechenmethode. Arch. Korrbl. 16, 1986, 203–206.

W. Sölter, Römische Kalkbrenner im Rheinland. In: Landschaftsverband Rheinland (Hrsg.), Kunst und Kultur am Rhein. Führer Rheinisches Landesmus. Bonn 31 (Düsseldorf 1970).

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